Ehrenamt

Ehrenamt

Für uns war es schon immer wichtig, das wir uns in unserer Freizeit ehrenamtlich engagieren. Wir finden es einfach wichtig das wir nicht nur von unserer Gesellschaft partizipieren sondern uns auch engagieren. So sind im Laufe der Jahre viele Ämter durch uns ausgeübt worden, hier ein Überblick und ein kurzer Erfahrungsbericht.

Ehrenamtliche Tätigkeiten von Jean-Pierre

Truppendienstrichter

In meiner Zeit bei der Bundeswehr war ich ehrenamtlicher Richter am Truppendienstgericht in Hamburg. Das hört sich toll an, war es auch. Aber in all den Jahren habe ich nur ein einziges Mal an einer Verhandlung teilgenommen, das Truppendienstgericht hat nun wirklich nicht viel Streß. Ein ehrenamtlicher Richter am Truppendienstgericht ist vergleichbar mit einem Schöffen am zivilen Gericht. Man sitzt neben dem Richter, hat die gleichen Rechte und Pflichten wie der Richter und darf auch Zeugen befragen. Die Urteilsfindung findet dann im Richterzimmer statt und das per Mehrheitsentscheid gefällte Urteil inkl. dem Strafmaß verkündet dann der Richter. Natürlich gibt der Richter eine Empfehlung für das Urteil und das Strafmaß, aber die beiden ehrenamtlichen Richter können auch anderer Meinung sein und den hauptamtlichen Richter überstimmen. Bei einer Verhandlung sind auch immer zwei ehrenamtliche und ein hauptamtlicher Richter anwesend. Schade das es nur zu einem Fall kam.

Schöffe beim Jugendschöffengericht

Nach meiner Zeit bei der Bundeswehr, als ich wieder zur Masse der Millionen ziellos umherirrender Zivilisten gehörte, wurde ich Schöffe für das Jugendschöffengericht am Amts- und Landgericht in Itzehoe. Diese Tätigkeit habe ich über 8 Jahre ausgeübt und es waren sehr spannende, interessante und erschreckende Jahre. Im Jahr gab es ca. 10 Verhandlungstage, meistens Montags und der Arbeitgeber muss einen Arbeitnehmer für diese Tätigkeit freistellen. Man wird auch recht einfach Schöffe. Man muss sich bei der zuständigen Gemeinde melden und sein Interesse bekunden. Dann kommt man auf eine Liste. Die Gemeinden müssen für eine Wahl für Schöffen immer eine bestimmte Anzahl an Personen an das Gericht melden. Wenn nun nicht genug Interessenten auf der Liste stehen, dann kann die Gemeinde einfach Leute bestimmen. Schöffendienst ist nicht ablehnbar (in der Regel). Aber meistens haben die Gemeinden genug Interessenten. Aus der Liste der Interessenten werden die Schöffen per Losverfahren bestimme und falls man ausgelost wird, bekommt man regelmässig Post vom Gericht mit den Ladungen zu den Verhandlungen. Man weiß aber nicht, was verhandelt wird. Das erfährt man erst am Tag der Verhandlung. Unser Postbote hat sich bestimmt gewundert warum wir so oft Post vom Gericht bekommen haben *ggg*. Die Verhandlung selber läuft fast identisch zu den Verhandlungen beim Truppendienstgericht ab. Es war aber auf jeden Fall erschreckend zu sehen, wieviel kriminelle Energie schon in Jugendlichen oder jungen Erwachsenen steckt. Und wieviel Naivität. Über die einzelnen Fälle darf ich nicht berichten, aber es war alles dabei, von Diebstahl über Drogendelikte, Beförderungserschleichung (Schwarzfahren), Körperverletzung, Betrug und Erpressung bis hin zu sexueller Nötigung und einmal sogar Kindesmissbrauch in besonders schwerem Fall. Viele Verhandlungen vergisst man recht schnell wieder, aber ein paar wenige Verhandlungen sind mir noch heute sehr präsent. Ich finde es aber gut das es die Schöffen gibt, so gewährleisten wir eine objektive und unabhängige Justiz. Und nebenbei lernt man alle Richter, Staatsanwälte und Juristen aus dem Kreis kennen.

Schiedsmann

Wenn man sich schon mal für die Justiz interessiert liegt es nahe das man sich auch für das Amt eines Schiedsmanns interessiert und auch das habe ich über 8 Jahre gemacht. Im Amtdeutsch ist ein Schiedsmann eine dienstsiegelberechtigte Dienstelle, darf also alle Landes- und Bundesbehörden im Rahmen seiner Amtpflicht um kostenfreie Hilfe bitten, die ihm auch gewährt werden muss. Also darf ein Schiedsmann also z.B. um Amtshilfe bei der Polizei bitten um eine Personenauskunft zu erhalten. In Schleswig-Holstein ist es so das es bei bestimmten zivilgerichtlichen Prozessen ein Gang zum Schiedsmann zwingend vorgeschrieben ist. Dies soll die Gerichte entlasten und verhindern, das wegen jeder Kleinigkeit geklagt wird. Das Verfahren selber ist auch recht einfach. Man schickt einen formlosen Brief an den Schiedsmann. Zuständig ist immer der Schiedsmann am Wohnort des Gegners. Der Schiedsmann prüft und entscheidet, ob er den Fall überhaupt annimmt und wenn ja, muss der Antragsteller in Vorkasse treten. Meistens max. 100 EUR und das ist ein echtes Schnäppchen wenn man bedenkt wie teuer alleine ein Gang zum Anwalt für eine Rechtsauskunft ist. Dann lädt der Schiedsmann alle Beteiligten zu einem Schlichtungstermin ein, die Ladung ist analog einer Ladung zu einem Gerichtsverfahren, es muss also Folge geleistet werden. Wenn jemand nicht will, dann kann der Schiedsmann auch ein Ordnungsgeld verhängen. Bei der Schlichtungsverhandlung geht es dann darum, einen Kompromiss zwischen den Parteien zu erreichen, der Schiedsmann ist also ein Moderator. Aber man kann sich vorstellen das es bei einer Schlichtung auch emotional hoch her gehen kann. Es handelt sich auch keineswegs immer um Nachbarschaftsstreitigkeiten, ich hatte z.B. auch eine Schlichtung in Bezug auf Bau- und Wegerecht. Da wird es dann schon richtig kompliziert. Und natürlich sind auch meistens die Anwälte der Parteien dabei. Erst wenn die Schlichtung erfolglos ist kann man zum Gericht und eine Klage einreichen.

Schiedsmann wird man, indem man von einer Gemeinde ernannt wird. Die Gelder die der Schiedsmann einnimmt, führt er auch nach Abzug einer kleinen Entschädigung (ja wirklich klein) an die Gemeinde ab. Natürlich gibt es für Schiedsleute auch Schulungen und Seminare in rechtlichen Dingen und auch was die Moderation und die Streitschlichtung angeht. Dies kann man im Berufsleben auch sehr gut nutzen, mir jedenfalls hat es sehr viel gebracht.

Und sonst?

Ansonsten war ich noch Elternvertreter im Kindergarten und später in der Schule, stv. Vorsitzender der CDU in Horst/Holstein, Mitglied und Reaktionsleiter der Pfarrbriefredaktion der kath. Gemeinde in Elmshorn und auch Vositzender des Pfarrgemeinderates der kath. Kirche in Elmshorn und Mitglied in diversen Ausschüssen.